Hochauflösende Bilder: Für wen sich HDTV lohnt
Hamburg/München (dpa/tmn) – Immer mehr Verbraucher kaufen sich Flachbildfernseher. In der Regel sind diese Geräte «HD ready» – sie können Fernsehen und Videos in besonders hoher Auflösung zeigen.
Doch während es dank Blu-ray bereits viele hochauflösende Filme aus der Konserve gibt, sieht es mit TV-Sendungen in High-Definition in Deutschland noch ziemlich mau aus. Die Anschaffung eines teuren HDTV-Receivers lohnt sich – wenn überhaupt – höchstens für Sportfans.
Kostenlos zu empfangen ist zum Beispiel das HDTV-Programm des Senders Anixe HD. Dieser will nach eigenen Angaben einige Wettkämpfe der Olympischen Sommerspiele in Peking hochauflösend übertragen. Zu den Sportarten zählen Mountainbiking, Reiten, Bogenschießen, Triathlon, Segeln, Surfen und Marathon. Zu empfangen ist Anixe HD über digitales Satelliten-Fernsehen (Astra) sowie in den digitalen Kabelnetzen Kabel BW und Kabel Neubrandenburg. Neben der Olympia-Berichterstattung besteht das Anixe-Programm vor allem aus Serien und Spielfilmen, die nicht gerade zur Kategorie Blockbuster gehören.
Bei Premiere liegt der Fokus des HD-Angebots ebenfalls auf Sport: «Wir zeigen in der Saison an jedem Wochenende drei Bundesliga-Spiele», sagt Pressesprecher Michael Jachan in München. Hinzu kommen ein DFB-Pokal-Spiel pro Runde und mindestens eine Champions-League-Partie pro Woche. Außerdem werde fast jeder neu startende Film mit hochauflösenden Bildern gezeigt. Zum HD-Programm gehören auch die Dokumentationen von Discovery. Das HDTV-Paket kostet 19,99 Euro.
Ein Kostenfaktor ist bei HDTV der Kauf eines passenden Receivers. Da ein HD-Tuner selten in Fernseher eingebaut ist, muss eine Set-Top-Box her, die das aus dem Kabel oder von der Sat-Schüssel kommende HDTV-Signal verarbeiten kann. Etwas mehr als 150 Euro koste ein HDTV-Receiver mindestens, sagt Hannes Rügheimer von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift «video». Premiere bietet seinen Abonnenten einen günstigeren Receiver bei Vertragsabschluss an.
Ob ihm das derzeitige HDTV-Angebot die Kosten wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Dagegen spricht jedoch vor allem, dass das Free-TV-Angebot äußerst dünn ist. Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender starten laut ARD-Pressesprecher Christian Bauer mit der regelmäßigen Ausstrahlung von HDTV erst anlässlich der Olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar 2010. Vorher gibt es noch einige «Showcases» – für alle mit Receiver ausgestatteten Zuschauer empfangbare Probesendungen, die auf wenige Tage begrenzt sind.
Die Vorhut der öffentlich-rechtlichen Sender in Sachen HDTV übernimmt der deutsch-französische Kultursender Arte. Er hat schon damit begonnen, sein Programm hochauflösend auszustrahlen. Allerdings sind zum Beispiel Opern und Konzerte nur über Astra, also über Satellit, zu empfangen. Programmanteile, die noch nicht in HD-Formaten verfügbar sind, werden hochgerechnet.
Wer seinen TV-Empfang auf Internet umstellt, kann ebenfalls HDTV empfangen. T-Home bietet das hochauflösende Fernsehen Kunden an, die einen schnellen VDSL-Anschluss besitzen. Das kostet ab 59,95 Euro. In diesem Preis sind Flatrates für Internetnutzung und Festnetztelefonie enthalten.
HDTV steht für High Definition Television. Er bezeichnet ein Bild mit einer Auflösung von 720 oder 1080 Zeilen – je nach Verfahren. Der bisher in Deutschland genutzte PAL-Standard bietet dagegen lediglich 576 Zeilen. HDTV stellt Bilder somit detailreicher dar. Dass derzeit vor allem Fernsehen im PAL-Standard ausgestrahlt wird, bringt bei HDTV-fähigen Fernsehern Probleme: Um den Bildschirm zu füllen, muss das PAL-Signal hochgerechnet (interpoliert) werden. Das sorgt in vielen Fällen zu Bewegungsunschärfen, die unter anderem deutlich bei Fußball-Übertragungen zu sehen sind.
Quelle: sueddeutsche.de